Die Geschichte des Grindels
(Text: Auszug aus © kino-fahrplan.de/kinos/grindel
Bilder: wurden uns zur Verfügung gestellt)

Besonderes

Jeden Montag gegen 20 Uhr gab es eine Sneakpreview in der englischen Originalfassung, die nach der Schließung ins Streits weitergezogen ist. Die Sneak ist sicher auch wegen des in Hamburg wohl einzigartigen Vorprogramms in der Regel gut besucht, rechtzeitiger Kartenkauf oder eine Dauerkarte sind deshalb durchaus angebracht.
Die seit Anfang der Neunziger laufende deutsche Sneakpreview, die zuletzt jeden Mittwoch Abend stattfand, wurde Ende 2006 abgesetzt.

Nach der Schließung des City am Steindamm im Jahr 2001 war das Grindel Hamburgs Adresse für englische Originalfassungen der aktuellen Hollywood-Kassenschlager.

Geschichte


Das Grindel 1963

Das Grindel wurde im November 1959 als Premierenkino eröffnet. Der (einzige) Saal bot 753 Plätze und war technisch bestens ausgestattet, unter anderem mit der Möglichkeit, über drei Projektoren gleichzeitig Filme des Cinerama-Formats vorzuführen. Die Leinwand war damals fast ein Drittel breiter als heute, um den drei parallel laufenden Filmstreifen gerecht zu werden. Deutschland- und Europa-Premieren fanden regelmäßig im Grindel statt.


Blick auf die alte Leinwand

In den 1970er Jahren wurde das Grindel vom Betreiber der Ufa-Kinos, Heinz Riech, übernommen und, entsprechend seiner Firmenphilosophie, prompt mit zwei zusätzlichen Sälen im Format größerer Besenkammern versehen, die teilweise in das Foyer gequetscht wurden. Von der Straße ging es fortan durch einen verhältnismäßig schmalen Gang an einem einzelnen Kassenhäuschen vorbei in den übrig gebliebenen Rest des Foyers, der allerdings heimelige Wohnzimmeratmosphäre versprühte.
Der unversehrt gebliebene Saal 1 erfreute sich nichtsdestotrotz großer Beliebheit und der regelmäßige, frühe Ausverkauf der „Sesselreihe“, die die besten Plätze im Saal bot, war der Hauptgrund für das Entstehen des Kino-Fahrplans: Das Kinoprogramm erschien damals erst Donnerstags in den Zeitungen, Karten wurden (und werden) jedoch bereits ab Dienstag verkauft, so dass nicht selten die besten Plätze mit Veröffentlichung des Programms schon vergeben oder – noch schlimmer – der Wunschfilm abgesetzt war. Ein frühzeitig erscheinender Kinoplan musste her, es dauerte jedoch noch eine Weile, bis der erste Kino-Fahrplan im Netz erschien.

Nachdem Hans-Joachim Flebbe Anfang der 1990er mit seinen Cinemaxx-Kinos den Trend weg von den Schachtel- und Verzehrkinos wieder in Richtung Filmpalast gelenkt hatte, wurde auch das Grindel 1995 komplett modernisiert und zum ersten Multiplex-Kino Hamburgs umgebaut. Die Säle 2 und 3 verschwanden, stattdessen wurden im Hinterhof fünf neue Säle gebaut. Leider verschwand mit dem Umbau die Sesselreihe aus Saal 1 und darüber, ob das neue Foyer diesen Namen noch verdient oder eher Eingangshalle genannt werden sollte, lässt sich streiten.


Der alte Saal 1

Im Sommer 2001 musste das City am Steindamm, ebenfalls ein Ufa-Kino, ebenso verbaut und daher architektonisch ebenso überholt, schließen. Im einsetzenden Verdrängungswettbewerb der Hamburger Kinolandschaft profitierte das Grindel von dieser Schließung, denn es konnte das Programm der englischen Originalfassungen übernehmen – ein eigentlich nicht zu unterschätzendes Alleinstellungsmerkmal. In den darauffolgenden Jahren wurden zunächst die Originalfassungen parallel zu den deutschen Synchronisationen gezeigt, ab Anfang 2005 setzte das Grindel ausschließlich auf die Originalfassungen; Ausnahmen bildeten lediglich das Kinderprogramm, seltene größere Produktionen und das Seniorenkino am Mittwoch Vormittag.
Überraschend kam die Kehrtwende im Anschluss an das Hamburger Filmfest Mitte Oktober 2006, mit der wieder ausschließlich deutsche Fassungen gezeigt werden sollten. Nichtsdestotrotz tauchte bald darauf ein immer beträchtlicher werdender Anteil an englischsprachigen Filmen im Programm auf, so dass mittlerweile die Originalfassungen wieder überwiegen.

Bereits nach dem Konkurs der Ufa-Kette im Jahr 2002 ging der Betrieb des Grindels zunächst an die Cinestar-Gruppe, wurde aber einige Jahre später an den Ufa-Insolvenzverwalter zurückgegeben. 2007 verkaufte er das Vorderhaus mit Foyer und Saal 1 an eine Hamburger Immobilienfirma, Ende des Jahres ging im Rahmen einer Zwangsversteigerung auch der hintere Gebäudeteil mit den Sälen 2 bis 6 an diese Firma.
Die neuen Grundstücksbesitzer standen nach eigener Aussage zum Kino, wofür auch die neue Bestuhlung sprach, ließen sich jedoch die Möglichkeit zum Abriss offen.


Übergabe der Unterschriftenlisten
(©Mopo/Quandt)

In diesem Umfeld wurde Ende 2007 von Gästen und Mitarbeitern der Verein Pro Grindel gegründet, der mit einigen Aktionen zur Unterstützung des Grindels auf sich aufmerksam machte. Zum Frühjahr 2008 hin wurde das Verhalten der Theaterleitung immer widersprüchlicher; einerseits wurde wiederholt erklärt, es sähe gut aus für das Grindel, gleichzeitig aber wurde die Vereinsarbeit aus dem Kino verbannt und den Angestellten ein Maulkorb verpasst, schriftliche Fragen von Gästen und Presse landeten scheinbar ungelesen im Papierkorb. Vermietungsinteressenten wie auch das Angebot, Hamburgs einzigen 70-mm-Projektor nochmals mit Filmen zu bestücken, sollen gar mit der Begründung, „man hätte sowas nicht nötig“ abgelehnt worden sein.
Unter diesen Umständen kam es im März 2008 zum offenen Bruch mit dem Förderverein. Roman Colm, dem Theaterleiter, sowie den Besitzern wurde vorgeworfen, das Kino mit einem schlechtem Programm und trotz gegen den Trend steigender Besucherzahlen „vorsätzlich in den Ruin getrieben“ und Mitarbeiter wie Unterstützer hinters Licht geführt zu haben. Die Theaterleitung hüllt sich auch zu diesen Vorwürfen weiter in Schweigen.

Am 26. März lief im Grindel die letzte Vorstellung und obwohl angeblich immer noch die Möglichkeit der Wiedereröffnung bestehe, dürfte das Kino abgerissen und das Areal wie ursprünglich geplant mit Geschäften, Büros und Wohnungen neu bebaut werden.

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